Waldecker Koessler-Werkeverzeichnis

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Im Beiheft zu einer im Jahre 2005 bei Hungaroton erschienenen CD mit 2 Koessler-Werken[1] schreibt Enikő Gyenge (Übersetzung: Erika Hambuch-Kelemen): „Bedauerlicherweise wurde über seine Werke kein systematisches Werkeverzeichnis angefertigt, und wegen der zahlreichen Umzüge in seinem Leben sind viele seiner Kompositionen verloren gegangen.“

Es gab mehrere Versuche, Koesslers Werke zu erfassen. Zu nennen wären hier vornehmlich die Zusammenstellungen der im Selbstverlag von Gunda Schricker erschienenen Publikation „Hans von Koessler – ein Komponist wiederentdeckt“ (2012) und die Dissertation „Hans Koessler Munkassaga Es TanariI Tevekenysegenek Hatasa A 20. Szazadi Magyar Zenere“ (2013) von Márta Szárosi-Szabó (FZT), auf die wir bei der Erstellung der Liste zurückgreifen konnten. Allerdings stellt es sich als ziemlich schwierig heraus, Koesslers Werke insgesamt zu erfassen, da diese weit verstreut zu finden und die Quellen auch teilweise nicht mehr sicher nachprüfbar sind.

Die Verstreutheit der Werke Koesslers, hat mehrere Ursachen, die im Lebenslauf Koesslers zu suchen sind. Vier Hauptgründe lassen sich dazu anführen:

  1. Koessler sah sein Wirken an der Musikakademie Budapest schwerpunktmäßig in seiner Tätigkeit als Lehrer für Komposition; er war dort die Lehrkraft mit der höchsten Stundenzahl.[2] Seiner Lehrtätigkeit in Komposition ordnete er sein eigenes Komponieren unter. Sein Wirken als fast alleiniger Lehrer der namhaftesten Größen der damaligen ungarischen Komponistenriege, u. a. Béla Bartók, Zoltán Kodály, Emmerich Kálmán, Ernst von Dohnányi und Leó Weiner, war dann bekanntlich auch außerordentlich erfolgreich. In seinem Lebenslauf schreibt Koessler:

„In der Erkenntnis, daß man den Schülern nur dann ein nützlicher Beirat werden kann, wenn man sich selbst in allen Gattungen und Arten der Musik versucht hat, ließ ich kein Feld der Musik unbebaut. Aber alles blieb unter Schloß und Riegel, und niemals habe ich jemanden wegen der Aufführung meiner Werke belästigt. Nur der Indiskretion eines Freundes, der die Partitur eines 16stimmigen Psalmes „Gott ist meine Zuversicht“ an den Wiener Tonkünstlerverein hinter meinem Rücken zur Preisbewerbung einschickte, kann ich es verdanken, daß mein Name als Komponist genannt wurde. Der Psalm erregte Aufsehen und wurde vom Tonkünstlerverein nach der Aufführung durch einen kleineren Chor einstimmig mit dem ersten Preise ausgezeichnet…“ [3].

  1. Nach seiner ersten Pensionierung im Jahre1908 veränderte Koessler, der alleinstehend lebte, häufiger seinen Aufenthaltsort. Das brachte es mit sich, dass seine immer zahlreicher werdenden Kompositionen ungeordnet an verschiedenen Plätzen hinterlegt waren.
  1. Nach dem Zerfall der Habsburger Doppelmonarchie am Ende des ersten Weltkriegs übersiedelte er im Frühjahr 1918 verarmt nach Ansbach.[4] An sich wohlhabend, hatte Koessler damals nicht nur sein gesamtes Vermögen, sondern auch seine Pension verloren, da die ungarische Kommune auch die Zahlung seiner Pensionsbezüge einstellte. Diese Notlage drängte ihn, „der dringenden Aufforderung des derzeitigen Akademiedirektors Jenö Hubay, die Kompositionsklasse zu übernehmen, Folge zu leisten. Im Herbst 1920 kehrte ich nach Ungarn zurück“ [5] Die Wiederaufnahme seiner Lehrtätigkeit band viel seiner Zeit.
  1. Nach der zweiten Pensionierung kehrte er im Jahre 1925 nach Ansbach zurück. Dort zwang ihn eine Arterienverkalkung zu einer Operation am linken Fuß. Koessler knüpfte seine Zustimmung zur Operation an die Bitte an den ausführenden Chirurgen, Dr. Lunckenbein „unter Tränen, ihm den einzigen Wunsch zu erfüllen, er möge ihm noch zwei Jahre schenken, damit er seinen künstlerischen Nachlass ordnen könne.“[6]

Die Zeit, sein Werk zu ordnen und zu edieren wurde ihm nicht mehr gewährt. Er verstarb am 23. Mai 1926 an den Folgen der Operation.[7]

Um den großen Sohn des Ortes Waldeck posthum zu ehren, gründete der Heimat- und Kulturverein Waldeck e. V. den „Arbeitskreis Koessler“, durch den seine Werke erfasst und nach Möglichkeit Belege für ein Archiv im Ort beschafft werden sollten.

Die Erfassung ist das Ergebnis mehrjähriger Recherche des Koessler-Arbeitskreises Waldeck unter Federführung von Josef Brunner und Prof. Dr. Reinhold Herrmann. Sie beruht sowohl auf allgemein zugänglicher Information als auch auf privaten Mitteilungen und Forschungsergebnissen. Ein großer Teil der Forschung des Arbeitskreises beruhte auf der Beauftragung der Digitalisierung und Veröffentlichung vorhandener Werke Koesslers in der Handschriftensammlung der Staatsbibliothek Berlin, einer Dauerleihgabe der Nichte Koesslers, Marie Bogner, durch den HuK Waldeck e.V.. Diese waren dort bisher nur über Karteikarten erfasst, die Noten zum Teil unzugänglich und von Verfall bedroht. Mit dem Ziel, das Waldecker Koessler-Archiv so vollständig wie möglich zu gestalten, wurden die vorhandenen Werke durch Funde aus anderen Bibliotheken, einigen ungarischen Quellen, von Verlagen oder aus Privatbesitz ergänzt. Diese lagen vielfach zunächst in Papierform vor.

Die Veröffentlichung von Digitalisaten, die sich nur im Besitz des HuK Waldeck e.V. befinden, wird demnächst geprüft.

Das Werkeverzeichnis ist naturgemäß nicht endgültig und soll je nach Erkenntnislage ergänzt werden. Es soll nun helfen, Lücken zu schließen, und einen Überblick über Koesslers kompositorische Tätigkeit zu vermitteln, dessen Werke zu seiner Zeit auch international erfolgreich aufgeführt wurden.


Quellenverzeichnis zum Waldecker Koessler-Werkeverzeichnis

A. Musiktheater

B. Orchesterwerke inkl. Konzerte

2Sinfonie Nr. 1  F-Dur
3Sinfonie Nr. 2  h-moll
4Sinfonie C-Dur
5Sinfonie A-Dur
6Symphonische Variationen für großes Orchester
7aPassacaglia-Konzert f. Violine und Orchester a-moll
7bViolinkonzert a-moll für Violine und Orchester
8aKonzert für Violoncello und Orchester d-moll
8bKonzert für Violoncello und Orchester, d-moll („Cello-Solo“)
9Deutsche Tanzweisen für Orchester

C. Vokalmusik mit Orchester

10Sylvesterglocken
11Triumph der Liebe, Oratorium
12Trauerode „Dem Verklärten“, für gemischten Chor und Orchester
12aGyászóda: A megdicsőültek emlékére
13Hymne an die Schönheit, für Männerchor und Orchester
14Motette „Dem Vaterlande“ für Chor, Bariton und Orchester
15Wie lieblich erklang, Kantate f. Chor und Orchester, für Sopran- und Altsoli
16Griechische Trauermusik, zu Euripides: Iphigenia in Aulide
17Fünf Lieder, Baritonsolo mit Orchesterbegleitung
18Drei Gesänge, für eine Bariton-Stimme mit Orchester
19Zwiegesänge für Soparan, Tenor und Orchester
20„Die Ilse“, Lied für eine Singstimme und Orchester

[1] S. 8 im Booklet. Die CD, welche keinen eigentlichen Titel trägt, enthält die Koessler-Werke „Trio-Suite für Violine, Viola & Piano, sowie das „Klavierquintett“ neben der Sonate „No. 2 für Cello & Piano, Op. 55“ von Emanuel Moór (1863-1931).

[2] Fejezetek a Zeneakadémia Történeteből – 4. – Kapitel aus der Geschichte der Musikakademie, Bd. 4, Agnes Gádor, Budapest, 1992, S. 78. Neben dem Fach Komposition zeichnete er vor seiner ersten Pensionierung im Jahr 1908 auch noch für Chorleitung und den Orgelunterricht an der Musikakademie verantwortlich.

[3] Kurze Autobiographie des Waldecker Komponisten. Kommentiert von P. Knott. Abgedruckt in: Pearl Harbour, Pech und Löwenkopf. Regionale Streiflichter zur Geschichte unserer Heimat. HEIMAT – Landkreis Tirschenreuth, Band 13/2001, Seiten 70-77.  Obiges Zitat: S. 75f.

[4] Er war dem Rat seines Jugendfreundes, Regierungsschulrat Hopf aus Ansbach, gefolgt und im Frühjahr 1918 dorthin übergesiedelt, wo er vom 1.11. jenes Jahres an im Hause Dürr fürsorgliche Zuwendung fand. Staudigl, Franz Xaver (1985). Ins Wirtshaus ein Denkmal… Ein Beitrag zur Musikgeschichte der Oberpfalz, in: Die Oberpfalz. 73. Jahrg., Heft 10, S. 305-307. Kallmünz: Michael Laßleben Verlag. Vgl. Seite 305.

[5] Quelle: siehe FN 3, S. 77. Mit diesem Ereignis endet Koesslers Lebensrückblick in seiner Autobiographie.

[6] Quelle: siehe FN 4. Obiges Zitat: S. 306.

[7] Ebd. S. 307.