Dienstag, 28 März 2017
 


 

 
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Koessler: vor Wiederentdeckung als Komponist? PDF Drucken E-Mail
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Komponisten von Weltrang in Koesslers Kompositionsklassen


In Ungarn wird dem Namen des gebürtigen Waldecker Komponisten Hans von Koessler höchte Ehre erwiesen. Dort wird er in unmittelbare Verbindung mit den Namen seiner berühmten Kompositionsschüler gebracht, die an der Königlich-Ungarischen Musikakademie Budapest – heute: Franz-Liszt-Musikakademie – von Koessler ihr Rüstzeug als Komponisten bekamen. Weit über die Grenzen ihrer ungarischen Heimat hinaus sind deren Namen bekannt: Béla Bartók, Zoltán Kodály, Komponist und Dirigent Ernst von Dohnányi zählte ebenso zu Koesslers Schülern, wie der Operettenfreunden bekannte Emmerich Kálmán. Koessler, Cousin Max Regers besuchte die Orgelkompositionsklasse bei Joseph und Rheinberger und die Chorklasse von Franz Wüllner. Letzterer wurde ihm ein väterlicher Freund und Mentor. Durch ihn kam er an die Musikakademie in Budapest.



Wieso erlangte er in Deutschland bisher keine Berühmtheit?

Der wichtigste Grund liegt wohl in Koesslers Bescheidenheit. Sein erstes Ziel war es, seinen Kompositionsschülern Vorbild zu sein. Diesem Ziel ordnete er seinen persönlichen Ruhm unter. Unter dem damaligen Präsidenten der Akademie, Dr. Franz Liszt, wurde Koessler beauftragt, zunächst den Unterricht in den Fächern Orgel und Chorgesang zu erteilen. Nach dem Tode seines Vorgängers Norbert Volkmann wurde ihm zudem noch die Professur für Komposition übertragen. In seiner Autobiographie schreibt Koessler: „Nunmehr hatte ich … nicht mehr nötig, Privatunterricht zu geben, und nun war die Zeit gekommen, wo es mir vergönnt war, an eigene Kompositionen zu denken. Aber auch hier schwebte mir ein pädagogisches Ziel vor Augen. In der Erkenntnis, daß man den Schülern nur dann ein nützlicher Beirat werden kann, wenn man sich selbst mit allen Gattungen und Arten der Musik versucht hat, ließ ich kein Feld der Musik unbebaut. Aber alles blieb unter Schloß und Riegel, und niemals habe ich jemanden wegen der Aufführung meiner Werke belästigt. Nur der Indiskretion eines Freundes, der die Partitur eines 16stimmigen Psalms »Gott ist meine Zuversicht« an den Wiener Tonkünstlerverein hinter meinem Rücken zur Preisbewerbung einschickte, kann ich es verdanken, daß mein Name als Komponist genannt wird. Der Psalm erregte Aufsehen und wurde vom Tonkünstlerverein nach der Aufführung … einstimmig mit dem ersten Preis ausgezeichnet… Brahms war dem Werke ein warmer Fürsprecher und würdigte mich eines vertraulichen Umgangs.“ (HEIMAT – Landkreis Tirschenreuth, Bd. 13/2001). Diese enge Freundschaft sollte bis zum Tode Brahms‘ andauern. „Weitergehender Beachtung“, so Koessler [ebd.] erfreuten sich [neben dem „Psalm 46“ und den „Sylvesterglocken“ auch] die Orchestervariationen, die in fast allen Musikzentren Europas und Amerikas aufgeführt wurden.“

Nach 26 Jahren Lehrtätigkeit ließ sich Koessler im Jahr 1908 in den Ruhestand versetzen. Doch in Ungarn gelangten nun die allem Deutschen feindlich gesonnenen Kommunisten an die Macht – mit weitreichenden Folgen für ihn: „In Ungarn gelangte an die Regierung die Comune und stellte die Auszahlung meiner gesetzlichen Pensionsbezüge ein und nötigte mich, der dringenden Aufforderung des derzeitigen Akademiedirektors Jenö Hubay, [wieder] die Kompositionsmeisterklasse zu übernehmen, Folge zu leisten. Im Herbst 1920 kehrte ich wieder nach Ungarn zurück…“ [ebd.]. „Er erhielt weder die Pension aus Ungarn noch Zinsen aus seinem dort liegenden Vermögen, das sich nach seiner Angabe auf 200000 Kronen belaufen mußte“. [Brief von Oberlandesgerichtsrat G. Vocke an Oberdirektor Hubay. Franz X. Staudigl in: „Die Oberpfalz, Jahrg. n. bek., S. 305ff.].

Im Dezember 1915 wurde er abermals pensioniert. Am 11. Mai 1926 wurde er aufgrund eines Wundbrandes im rechten Fuß in das Krankenhaus in Ansbach eingeliefert. Das schildert Oberlandesgerichtsrat Vocke so [ebd]: „Nach einstimmiger Begutachtung von fünf Ärzten erfolgte am Dienstag, 11. Mai die Überführung ins Krankenhaus zum Zweck der unvermeidlichen Operation. Vorher spielte sich eine erschütternde Scene ab. Dr. Lunckenbein hatte Herrn Professor v.K. getröstet und ihm für den Fall seiner gelungenen Operation die Möglichkeit eines längeren Lebens in Aussicht gestellt. Da richtete sich der alte Herr in den Armen von Frau Dürr im Bette auf und beschwor dem Arzt unter Tränen ihm den einzigen Wunsch zu erfüllen, er möge ihn noch zwei Jahre leben lassen damit er seinen künstlerischen Nachlaß ordnen könne. Er habe seine Manuskripte in der ganzen Welt verstreut und müsse überall noch die letzte Hand anlegen. … Noch in seiner letzten Stunde – er starb am Pfingstsamstag 23.5. [1926] früh 4 Uhr – nannte er den Namen Brahms. Unvergleichlich schön war das Bild, das der Tote bot. In blühender Fülle, ohne eine Spur der überstandenen Leiden, wie träumend von ewigen Melodien, lag sein Haupt auf dem Kissen.“


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